Von Jagd und Jägern

Wenn der Waldwanderer heute noch Rehe und Hasen, in bestimmten Gebieten auch Rotwild und im Gebirge Gamswild sehen und sich daran freuen kann, so ist das ein Verdienst der Jäger. Denn der einstmals ausgewogene Lebensraum des Wildes ist durch die menschliche Nutzung und Beanspruchung nicht nur drastisch eingeengt, sondern vielerorts sogar zerstört worden.

Wie sollen sich Wildtiere gegen diesen Machtmissbrauch des Menschen auch wehren können! Sie schreien nicht, sie protestieren nicht – sie kümmern allenfalls dahin, würde nicht die hegende Hand des Jägers einigermaßen für Ausgleich sorgen. Vor nicht allzu langer Zeit hat der Mensch die Wildtiere aus der Flur in den Wald getrieben, weil er die Felder wirtschaftlich intensiv nutzen wollte. Heute dagegen drängt er sie wieder aus dem Wald in die Kultursteppe zurück, weil der Wald über die wirtschaftliche Funktion hinaus auch vermehrte Schutz– und Erholungsaufgaben zu erfüllen hat.

In diesem Dilemma geriet der Jäger unversehens zwischen die Mühlsteine verschiedener Interessengruppen. Sein jahrzehntelanges stilles Wirken im praktischen Naturschutz, das er mit Zeitaufwand, Geld, Mühe, Sachwissen und ohne große Worte für selbstverständlich hielt, wurde in Frage gestellt.   Plötzlich waren Leute da, die lautstark überzogene Forderungen erhoben, ohne die Konsequenzen zu überdenken. Jäger und Forstmann dagegen wissen: Wo die Natur aufhört, Natur zu sein, fängt der Unsinn an! Als Praktiker kennt er die Zusammenhänge und Wechselwirkungen. Er ist unmittelbar in den Kreislauf der Natur eingeschaltet, in dem nur diese Gesetze gelten: fressen und gefressen werden – Beute machen, Beute sein – vergehen, um zu bestehen.

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es annähernd 260 000 Jäger. An Jagdpacht bezahlen sie jährlich über 208 Millionen Mark. Mit diesem Betrag „erkaufen” sie sich das Recht, ihr Revier als Lebensraum des Wildes zu gestalten, zu erhalten – und zu ernten. Natürlich muss der Jäger füttern, wenn in Notzeiten kein grüner Halm mehr steht, wenn die vom Jäger im Wald angelegten Wildäcker abgeäst sind. Er muss das Raubwild kurz halten, die Tollwut bekämpfen, allen wildlebenden Tieren, auch den nichtjagdbaren – vom Singvogel bis zum Fischotter –, Überlebenschancen schaffen, die sie sonst nicht hätten, weil der Mensch ihren Lebensraum beansprucht. Zudem übernimmt der Jäger auch die Funktion des Großraubwilds: Bär, Wolf, Luchs.

Der Waldwanderer begegnet einem Jäger sicher lieber als einem Wolf. Übrigens: Fragen Sie die Jäger, wenn Sie ihnen begegnen. Jeder Jäger gibt gerne Auskunft und bereichert Ihr Wissen von Wild und Wald. Was sind das eigentlich für Menschen, diese Jäger, die ihre Aufgabe, Natur und Wald zu erhalten, so zäh und unbeirrbar verfolgen? Die sich einer der schwersten staatlichen Prüfungen unterzogen haben, um Jäger zu werden?  Deren Leumund jährlich von Amts wegen überprüft wird? Deren Tun und Lassen von strengen Gesetzen reglementiert wird, und die sich freiwillig ethischen Grundsätzen unterwerfen, die sie Waidgerechtigkeit nennen?

17% von ihnen sind Landwirte, 11% Arbeiter, 13% Handwerker, 4% Rentner, 10% Kaufleute, 16% Angestellte, 9% freie Berufe, 15% Beamte, 3% Schüler und Studenten und 2% Frauen.

Hätten Sie gedacht, dass die Sozialstruktur so vielfältig ist?

Von hundert Reviergängen kehrt der Jäger höchstens dreimal „mit Beute beladen” heim. „Er schießt das Wild daher, g'rad wie es ihm gefällt.....” ist nicht drin. Dafür aber Arbeit zur Reviergestaltung, teilweise lange Anfahrtswege und auch – leider – immer wieder Ärger mit Zeitgenossen, die mit der gleichen Unbekümmertheit und Selbstverständlichkeit die Natur konsumieren, wie sie zu Hause die  Wasserspülung betätigen oder das elektrische Licht einschalten. Die in den Wald fahren nach dem Motto „Hoppla, jetzt komme ich!”, campieren, wo es ihnen gerade so passt, Abfälle hinterlassen („wilde Müllkippen”) oder gar Lagerfeuer entfachen. Die mit ihrer Rücksichtslosigkeit die Ruhe und den Natur Genuss anderer Erholungssuchender beeinträchtigen. Es sind die gleichen, die dem Jäger und dem Wild das Leben schwer machen.

Fragen Sie die Jäger ruhig auch nach ihren Sorgen und Problemen, aber auch nach dem Glück des Jagens. Sie werden mit solchen Kenntnissen künftig noch mehr vom Wald haben und die Zusammenhänge besser verstehen !

Waidmannsheil !